2019 - 60 Jahre Deutsch-Indische Gesellschaft Darmstadt-Frankfurt e.V.

(Ansprache des 1. Vorsitzenden der DIG DA, Herrn Prof.Dr. Klaus Jork zum 60. Jahrestag der DIG DA)

Klaus Jork

Im Zeichen kultureller und wirtschaftlicher Verbundenheit gehören Deutschland und Indien zusammen.“ Mit diesem Gedanken erfolgte am 17. April 1959 die Gründungsveranstaltung der Zweigstelle Darmstadt der Deutsch-Indischen Gesellschaft mit Sitz in Stuttgart. Im Buch des Sohnes von Rabindranath Tagore, der seinen Vater 1921 auf der Deutschlandreise begleitet hatte, schrieb er zu diesem Ereignis: „Am besten gefiel uns die Woche, die wir in Darmstadt verbrachten. Wir waren gebeten worden, beim Großherzog von Hessen zu wohnen.“ Großherzog Ernst Ludwig hatte mit Ergriffenheit das „Reisetagebuch eines Philosophen“ von Hermann Graf Keyserling gelesen und diesen nach Darmstadt gerufen, der hier in Darmstadt 1920 die „Schule der Weisheit“ ins Leben rief.

Neben Ernst Ludwig gehörten dem ersten Vorstand der Zweigstelle Darmstadt der DIG Frau Eleonore von Dungern, Magistratsrat Heinz Winfried Sabais, Direktor Gerhard Pohl (Firma Wella) und Dr. Karl Merck an. Ab 1960 gestaltete Dr. Ferdinand Klein kraft seiner ausstrahlenden Energie und der mitreißenden Vorstellungen das Programm der Deutsch-Indischen Gesellschaft Darmstadt. Er knüpfte Verbindungen mit Persönlichkeiten der indologischen, philosophischen und religionswissenschaftlichen Forschung und Lehre, der Politik und Wirtschaft, der Kunst, des Tanzes und der Musik.

Zu Beginn der sechziger Jahre zeigte sich das wachsende Interesse an Kontakten mit Indien. Mit Vorträgen, die wirtschaftlich, politisch und soziologisch informierten, wuchs das Verständnis für den mit der Änderung seiner gesellschaftlichen Strukturen sich der Zukunft zuwendenden Subkontinent. Exemplarisch sei hierfür das Kastenwesen und die Stellung der Frau genannt. Besonders engagiert zeigten sich die Firmen Merck und Schenk. Merck hatte die längste Tradition als Wirtschaftspartner Indien und exportierte schon vor dem Ersten Weltkrieg über einen Vertreter in Kalkutta Chemikalien, Reagenzien und Arzneimittel.

Neben sachkundigen wissenschaftlichen Veranstaltungen und Vorträgen standen in den siebziger Jahren zunehmend indische Konzerte und Tänze auf dem Programm der DIG. Hervorragende Künstlerinnen und Künstler kamen dafür nach Darmstadt. Dies vor allem, seit im Herbst 1977 der Vorsitz der Deutsch-Indischen Gesellschaft Zweigstelle Darmstadt an Hanna Paulmann übergegangen war. Ihr wichtiges Anliegen war es, die breite Öffentlichkeit für Indien zu interessieren. Zunehmend widmete sich die DIG dazu satzungsgemäß kulturellen Inhalten. Hanna Paulmann gründete so 1982 die Darmstädter Tage der Indischen Musik, zu denen Künstlerinnen und Künstler wie Chitra Vishveshwaran, Alarmel Valli, Pandit Ram Narajan, Ali Akbar Khan, Amjad Ali Khan, Nikhil Banerjee und 1986 Ravi Shankar eingeladen waren.

Am 12. Juli 1986 feierte die DIG den Besuch Rabindranath Tagores vor 65 Jahren in Darmstadt. Alokeranjan Dasgupta gedachte mit seinem Vortrag „Shantiniketan – Schule eines Schulschwänzers“ und Margarete Dierks mit „Gedenken und Gedanken“ des großen Weisen. Ab 1987 unterstützte der Religionswissenschaftler Prof. Edmund Weber die immens gewachsene Vorstandsarbeit der Gesellschaft.

Neben dem Schwerpunkt kultureller Arbeit mit Tanz und Musik erfolgte die Integration von Veranstaltungen zur Verdeutlichung indischer Geisteshaltung, so durch die Indienfestspiele 1992, aber auch philosophische Symposien zu Tagore 1992, Buddhismus 1994 und Hinduismus 1997. Eine Brücke zum Verständnis ganzheitlicher Lebensweise im Westen und in Indien versuchten Seminare zu Salutogenese 1998 und Ayurveda 1999 zu vermitteln. Kindertage in der Werkstattbühne hatten das Ziel, bereits unserer Jugend Lebensweise und Denken Indiens in Ansätzen näher zu bringen.

Hanna Paulmann prägte von 1977 bis 1998 mit professioneller Gestaltung das bundesweite Erscheinungsbild der DIG. Seither bemühen sich die Mitarbeiter des Teams aus Vorstand, erweitertem Vorstand und zahlreichen Helfern, das vielseitige kulturelle Angebot der DIG weiterzuführen. Ihnen sei heute in besonderer Weise gedankt. Hervorzuheben durch ihre Kompetenz und ihren unermüdlichen Einsatz sind neben zahlreichen anderen Frau Marianne Cimbollek und Herr Ramu Bharpalania, die durch ihr vielseitiges Engagement in den Folgejahren das Bild der Deutsch-Indischen Gesellschaft ganz wesentlich gestaltet haben.

Halbjährlich versenden wir an die derzeit 135 Mitglieder und andere Interessierte unser abwechslungsreiches und vielseitiges Programm. Immer wieder ist auch Tagore Thema unserer Veranstaltungen. Lassen Sie mich deswegen schließen mit einem Zitat aus seinem 1921 erschienen Werk „Sadhana“. Seine Worte sind zeitlos und können uns im Westen, aber auch modernen Indern Hinweis, Orientierung und Anregung sein:

In Indien wird es dem Menschen zur ersten Pflicht gemacht, sich stets der Tatsache bewusst zu sein, dass er mit Leib und Seele allen Dingen um ihn herum auf engste verwandt ist und dass er die Morgensonne, das fließende Wasser, die fruchtbringende Erde begrüßen muss als die Offenbarung derselben lebendigen Wahrheit, die ihn an ihrem Busen hält (die sein Ursprung ist.) … Wir lernen erkennen, dass diese Einheit zusammengehalten wird durch den Einen und Ewigen Geist, der die Erde, den Himmel und die Sterne schuf und der auch unsre Seelen mit dem Licht eines Bewusstseins erleuchtet, das in ununterbrochenem Zusammenhang mit der äußeren Welt sie durchrinnt.
      
Nicht zuletzt bedanken sich die Mitarbeiter des Vorstandes und erweiterten Vorstandes der DIG Darmstadt-Frankfurt für die jahrelange Unterstützung unserer Arbeit durch das Kulturamt der Stadt Darmstadt ebenso wie für die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Indischen Generalkonsulat in Frankfurt.

Prof. Dr. Klaus Jork                        Darmstadt, den 16. Juni 2019
Für den Vorstand der DIG DA